| Ist
Lithium-Ion die ideale Batterie?
Während vieler Jahren
war Nickel-Kadmium die einzige taugliche Batterie für tragbare Anwendungen
von drahtloser Kommunikation bis zu tragbaren Computern. Um 1990 erschienen Nickel-Metallhydrid
und Lithium-Ion, die beide höhere Kapazitäten anboten. Beide Chemien
bekämpften sich Kopf an Kopf, und jede beanspruchte die bessere Leistung
und die kleineren Abmessungen für sich. Heute hat die Lithium-Ion die Nase
klar vorne und ist zur am meisten erwähnten Batterie geworden. Es ist die
am meisten wachsende und die viel versprechendste Batteriechemie. Die
Lithium-Ion-Batterie
Die ersten Arbeiten mit Lithiumbatterien begannen
1912 unter G.N. Lewis, aber erst in den frühen 70ern wurde die erste wiederaufladbare
Lithiumbatterie kommerziell lieferbar. Lithium ist das leichteste Metall, hat
das grösste elektrochemische Potenzial und liefert die grösste Energiedichte
pro Gewichtseinheit.
Verschiedenen Versuche, eine wiederaufladbare Lithiumbatterie
zu entwickeln, schlugen fehl, hauptsächlich wegen Sicherheitsproblemen. Auf
Grund der natürlichen Instabilität von metallischem Lithium, speziell
während der Ladung, bewegte sich die Entwicklung in Richtung einer nicht
metallischen Lithiumbatterie, unter Verwendung von Lithium-Ionen. Auch wenn diese
Batterie eine etwas kleiner Energiedichte liefert als metallisches Lithium, Lithium-Ion
ist eine sichere Substanz, wenn gewisse Vorkehren getroffen werden während
der Ladung und Entladung. 1991 brachte Sony Corporation die erste Lithium-Ionen-Batterie
kommerziell auf den Markt. Andere Hersteller folgten.
Die Energiedichte
von Lithium-Ion ist typischerweise etwa das Doppelte einer standardmässigen
Nickel-Kadmium-Batterie. Zudem gibt es noch Potenzial für höhere Energiedichten.
Die Belastungscharakteristik ist recht gut, und sie verhält sich ähnlich
wie Nickel-Kadmium in bezug auf die Entladung. Die hohe Zellenspannung von 3,6V
erlaubt Batterien zu bauen mit nur 1 Zelle. Die meisten heutigen Mobiltelefone
arbeiten mit einer Einzelzelle. Eine Batterie auf Nickelbasis benötigt 3
in Serie geschaltete 1,2V-Zellen.
Eine Lithium-Ion-Batterie benötigt
nur wenig Wartungsaufwand, ein Vorteil, den die meisten anderen Chemien nicht
für sich beanspruchen können. Da kein Memory-Effekt auftritt, ist kein
regelmässig durchgeführter Lade/Entlade-Zyklus nötig, um die Lebenserwartung
der Batterie zu verlängern. Dazu kommt, dass die Selbstentladung weniger
als die Hälfte einer Nickel-Kadmium-Batterie beträgt, was die Lithium-Ion-Batterie
besonders für moderne Fernsteuerungen tauglich macht. Lithium-Ion-Zellen
verursachen nur geringe Schäden beim Entsorgen.
Trotz all diesen allgemeinen
Vorteilen, hat die Lithium-Ion-Batterie auch ihre Nachteile. Sie ist empfindlich
und benötigt eine Schutzschaltung, um die nötige Sicherheit zu gewährleisten.
In die Batterie eingebaut, begrenzt die Schutzschaltung die Spitzenspannung jeder
Zelle während dem Ladevorgang und verhindert, dass die Zellenspannung zu
tief absinkt beim Entladen. Zusätzlich wird die Zellentemperatur überwacht,
um extreme Temperaturen zu verhindern. Der maximale Lade- und Entladestrom ist
zwischen 1C und 2C begrenzt. Dank diesen Vorkehren wird eine Lithiummetallisierung,
die bei Überladung entstehen kann, praktisch eliminiert.
Die Alterung
betrifft die meisten Lithium-Ion-Batterien, und viele Hersteller vermeiden es,
über dieses Problem zu sprechen. Eine Verschlechterung der Kapazität
ist bereits nach einem Jahr bemerkbar, ob nun die Batterie gebraucht wurde oder
nicht. Die Batterie versagt ihren Dienst häufig nach zwei oder drei Jahren.
Es muss jedoch gesagt werden, dass auch andere Batterien auf Alterung zurückzuführende
Verschlechterung der Kapazität zeigen. Dies trifft speziell zu auf Nickel-Metallhydrid-Batterien,
die zu hohen Umgebungstemperaturen ausgesetzt waren.
Hersteller verbessern
die Lithium-Ion-Batterien dauernd. Neue und bessere chemische Verbindungen werden
ungefähr alle sechs Monate eingeführt. Bei solch schnellen Fortschritten
ist es schwierig, zu beurteilen, wie gut eine geänderte Batterie in bezug
auf Alterung sein wird.
Eine Lagerung an einem kühlen Ort verlangsamt
den Alterungsprozess von Lithium-Ion (und anderen Chemien). Hersteller empfehlen
Lagerungstemperaturen von 15°C. Zusätzlich sollten die Batterien während
der Lagerung teilweise geladen sein. Die Hersteller empfehlen eine 40%-Ladung.
Die
wirtschaftlich günstigste Lithium-Ion Batterie in bezug auf das Preis/Energie-Verhältnis
ist die zylindrische Batterie 18650 (wobei 18 der Durchmesser und 650 die Länge
in mm sind). Diese Zelle wird vorwiegend für Laptops angewendet wie auch
für andere Applikationen, wo kein Wert auf besonders schlanke Geometrie gelegt
wird. Wenn eine ganz kleine Batterie nötig ist, ist die prismaförmige
Lithium-Ion-Zelle die beste Wahl. Diese Zellen sind teurer in Bezug auf die gespeicherte
Energie. Vorteile ·
Hohe Energiedichte - Potential für noch höhere Kapazitäten ist
vorhanden · Benötigt keine längere Formatierung, wenn neu.
Eine einzige normale Ladung genügt. · Verhältnismässig
kleine Selbstentladung - die Selbstentladung ist weniger als die Hälfte jener
auf Nickel basierenden Batterien. · Kleine Wartung - da kein Memoryeffekt
besteht, wird keine regelmässige Entladung benötigt. Grenzen ·
Benötigt eine eingebaute Schutzschaltung, um Spannung und Strom innerhalb
den Sicherheitslimiten zu halten. · Ist der Alterung unterworfen, auch
wenn sie nicht gebraucht wird - lagern der Batterie in einem kühlen Raum
bei einer 40%-Ladung reduziert den Alterungseffekt. · Entladestrom ist
moderat - nicht verwendbar für starke Belastung · Einschränkung
bei Transporten - verschiffen von grösseren Mengen können zu Kontrollen
führen. Diese Einschränkungen beziehen sich nicht auf persönlich
mitgeführte Batterien. · Aufwendig in der Herstellung - ca. 40%
höhere Herstellungskosten als bei Nickel-Kadmium. · Nicht total
ausgereift - Metalle und Chemien ändern kontinuierlich. Die
Lithium-Polymer-Batterie
Die Lithium-Polymer-Batterie unterscheidet
sich von konventionellen Batterien in der Art des verwendeten Elektrolyts. Die
ursprüngliche Version, aus der Zeit um 1970, verwendete ein trockenes, festes
Polymerelektrolyt. Dieses Elektrolyt gleicht einer plastikähnlichen Schicht,
die für Elektrizität nicht leitfähig ist, aber einen Ionenaustausch
gestattet (elektrisch geladenen Atome oder Gruppen von Atomen). Der Polymerelektrolyt
ersetzt das traditionelle poröse Trennelement, welches mit Elektrolyt gesättigt
ist.
Die Lösung mit trockenem Polymer bietet Vereinfachungen in Bezug
auf Herstellung, Robustheit, Sicherheit und schlanken Formen an. Mit einer Zellendicke
von etwa einem Millimeter können Gerätekonstrukteure ihrer Phantasie
für Form, Beschaffenheit und Grösse freien Lauf lassen.
Unglücklicherweise
leidet das trockene Lithium Polymer unter schwacher Leitfähigkeit. Der innere
Widerstand ist zu hoch, um die für moderne Kommunikationsgeräte nötigen
Stromspitzen liefern zu können, was zu Problemen mit der Festplatte von mobilen
Computern führt. Eine Erwärmung der Zellen auf 60°C und mehr verbessert
die Leitfähigkeit; eine Anforderung, die für tragbare Applikationen
nicht umsetzbar ist.
Als Kompromiss wurden einige Gel-Elektrolyte hinzugefügt.
Die meisten kommerziellen Lithium-Polymer-Batterien, die heute für die mobile
Telephonie verwendet werden, sind Hybridzellen und enthalten Gel-Elektrolyte.
Die richtige Bezeichnung dafür ist Lithium-Ion-Polymer. Es ist dies die einzige,
funktionierende Polymer-Batterie für tragbaren Einsatz.
Was ist denn
der Unterschied zwischen der klassischen Lithium-Ion-Batterie und der Lithium-Ion-Polymer-Batterie
mit den beigefügten Gel-Elektrolyten? Auch wenn die Charakteristik und Leistung
der beiden Typen ähnlich sind, ist die Lithium-Ion-Polymer die einzige Batterie,
wo ein fester Elektrolyt das poröse Trennelement ersetzt. Der Gelelektrolyt
wurde nur beigefügt, um die Ionenleifähigkeit zu verbessern.
Lithium-Ion-Polymer
hat sich nicht so schnell durchgesetzt, wie Analysten dies allgemein erwartet
hatten. Die Überlegenheit gegenüber anderen Batterietypen und die tiefen
Herstellungskosten konnten nicht realisiert werden. Es wurden keine Verbesserungen
im Kapazitätsgewinn erzielt - tatsächlich sind die Kapazitäten
ein klein wenig unterhalb derjenigen von Standard-Lithium-Ion-Batterien. Lithium-Ion-Polymer
findet seinen Markt in Nischenanwendungen, wie ultradünne Geometrie, wie
sie gebraucht wird für Kreditkarten und ähnlichen Applikationen. Vorteile ·
Ausgesprochen dünn - Batterien, die in der Form einer Kreditkarte gleichen,
sind herstellbar. · Flexibler Formfaktor - die Hersteller sind nicht
mehr an die Standardzellen-Formate gebunden. Bei grossen Stückzahlen können
beliebige Formen günstig hergestellt werden. · Leicht - die Gelelektrolyte
gestatten vereinfachtes Verpacken ohne metallische Hülle. · Bessere
Sicherheit - widerstandsfähiger gegen Überladung, kleineres Risiko gegen
auslaufende Elektrolyte. Grenzen ·
Kleinere Energiedichte und weniger Ladezyklen, verglichen mit Lithium-Ion ·
Aufwendige Herstellung · Keine Standardgrössen. Die meisten Zellen
sind für einen Markt mit grossen Stückzahlen gebaut. · Höhere
Kosten betreffend Energieverhältnis als Lithium-Ion.
Über
den Autor Isidor Buchmann ist der Gründer und Geschäftsführer
von Cadex Electronics Inc., in Vancouver BC. Herr Buchmann hat fundierte Basiskenntnisse
in der drahtlosen Kommunikation und studierte über zwei Jahrzehnte hinweg
das praktische Verhalten von wiederaufladbaren Batterien und ihre täglichen
Verwendungen. Als Autor gewann er Auszeichnungen für viele Artikel und Bücher
über Batterien. Herr Buchmann's technische Ausführungen gingen rund
um die Welt. Cadex Electronics ist Hersteller von fortschrittlichen Batterieladegeräten,
Batterieanalysern und PC-Software. Für Produktinformationen besuchen Sie
bitte www.cadex.com.
|