| Aufladen
bei hohen und tiefen Temperaturen
Wiederaufladbare Batterien
arbeiten in einem vernünftig breiten Temperaturbereich. Dies gestattet jedoch
nicht automatisch auch eine Aufladung im selben Temperaturbereich. Während
der Einsatz von Batterien in heisser oder kalter Umgebung nicht immer vermieden
werden kann, hat der Verwender die Bedingungen während der Ladung einigermassen
unter Kontrolle. Die Aufladung sollte unbedingt bei mittleren Temperaturen durchgeführt
werden. Im Allgemeinen sind ältere Batterietechnologien, wie z.B. Nickel-Kadmium,
toleranter beim Laden bei extremen Temperaturen. Nickel-Kadmium-Batterien können
mit einer Schnellladung innert ca. 1 Stunden aufgeladen werden. Eine solche Schnellladung
sollte jedoch innerhalb des Temperaturbereiches von 5° bis 45°C erfolgen.
Ein noch engerer Temperaturbereich von 10° bis 25°C ergibt jedoch bessere
Resultate.
Das Aufladen unterhalb 5°C bedingt einen reduzierten Ladekoeffizienten
von 0,1C (ein Zehntel der Kapazität). Dies ist im Bereich, wo Sauerstoff
und Wasserstoff im Innern der Zelle abgebaut werden kann. Auf Grund der abnehmenden
Einstellungen bei tieferen Temperaturen, führt eine zu schnelle Ladung zu
übermässigem Zellendruck, was zu einem Zellenleck führen kann.
Eine solche Batterie wird unter diesen Bedingungen nie voll aufgeladen werden
können. Industriebatterien, die eine schnelle Aufladung bei tiefen Temperaturen
benötigen, enthalten eine thermische Schaltung, um die Batterie in einem
erlaubten Temperaturbereich halten zu können. Sobald die Ladetemperatur unterschritten
wird, wird während des Ladeprozesses Gas produziert, was wiederum zu einer
Erwärmung führt, und dadurch die Ladebedingungen verbessern. Das ideale
Ladegerät stellt sich selbst so ein, dass zwischen Gasentwicklung und Ladestrom
ein Gleichgewicht herrscht.
Nickel-Metall-Hydride sind weniger tolerant
als Nickel-Kadmium, was die Ladung bei tiefen oder hohen Temperaturen betrifft.
Nickel-Metall-Hydride können bei Temperaturen unterhalb 10°C nicht schnell
geladen werden, noch können sie unterhalb 0°C langsam geladen werden.
Einige Ladegeräte sind so konzipiert, dass sie den Ladekoeffizienten and
die Umgebungstemperatur anpassen. Preisüberlegungen gestatten es jedoch nicht,
Ladegeräte für Konsumelektronik mit Temperatursensoren auszustatten.
Bei
höheren Temperaturen wird die Ladungsakzeptanz für Batterien auf Nickelbasis
drastisch reduziert. Eine Batterie, die bei mittlerer Raumtemperatur eine Kapazität
von 100% aufnehmen kann, nimmt bei 45°C Umgebungstemperatur nur noch 70% auf,
und sogar nur noch 45% bei einer Temperatur von 60°C. Dies unterstreicht die
schlechte Leistung einiger Fahrzeugladegeräten im Sommer!
Lithium-Ion-Batterien
bieten eine gute Ladeleistung an bei tiefen wie auch bei hohen Temperaturen. Einige
Zellen erlauben eine Ladung mit 1,0C von 0°C bis 45°C. Die meisten Lithium-Ion-Zellen
ziehen jedoch einen kleineren Ladestrom vor, wenn die Temperatur auf 5°C oder
darunter fällt. Auf das Laden unterhalb des Gefrierpunktes muss verzichtet
werden, da eine Plattierung durch Lithiummetall erfolgen kann.
Die Blei-Säure-Batterie
ist nicht sehr empfindlich gegenüber extremen Temperaturen, wie wir alle
wissen, auf Grund der Erfahrungen mit unseren Fahrzeugbatterien. Ein Teil dieser
Toleranz kann der Trägheit von Blei-Säure-Systemen zugeschrieben werden.
Einige Batteriemodelle gestatten ein Laden unterhalb des Gefrierpunktes mit kleinem
Ladestrom, andere werden dabei beschädigt und liefern nur noch reduzierte
Kapazitätswerte, und auch die Lebenserwartung wird verkürzt.
Um
die Ladeleistung von Blei-Säure-Batterien bei tiefen Temperaturen zu verbessern,
sowie thermische Auswirkungen während der Aufwärmung zu verhindern,
ist es wichtig, die bei der Aufladung eingestellten Spannungslimiten zu überwachen.
Ein Einbau dieser Massnahme kann die Lebenserwartung einer Batterie bis um 15%
verlängern. Allgemeine Richtlinien empfehlen eine Korrektur vorzunehmen von
ungefähr 3mV pro Zelle und pro Grad Celsius. Die Spannungskorrektur hat einen
negativen Koeffizienten, d.h. die Spannungsschwelle sinkt, wenn die Temperatur
steigt.
Hitze tötet die Batterie! Je wärmer die Zellen, desto
kürzen die Lebenserwartung. Höhere Temperaturen können nicht immer
vorausgesehen werden, speziell im Verlauf einer Schnellladung. Es muss jedoch
versucht werden, diese Perioden so kurz wie möglich zu halten. Während
45°C kurzzeitig tolerierbar ist, beginnt eine Batterie ab 50°C Schaden
zu nehmen. Dazu kommt, dass Zellen im Innern einer Batterie immer einige Grad
wärmer sind, als die Temperatur des Batteriegehäuses beträgt. Ultra-Schnellladegeräte
Einige
Hersteller von Ladegeräten versprechen erstaunlich kurze Ladezeiten von 30
Minuten oder weniger. Mit gut ausgeglichenen Zellen und mässiger Raumtemperatur
können Nickel-Kadmium-Batterien, die für Schnellladung konzipiert sind,
tatsächlich in sehr kurzer Zeit aufgeladen werden. Dies wird erreicht mit
einfachem Erhöhen des Ladestromes während den ersten 70% des Ladezyklus.
In
der zweiten Phase des Ladezyklus muss der Ladestrom jedoch abgesenkt werden. Die
Möglichkeit, die Ladung aufzunehmen wird sukzessive reduziert, wenn der Ladezustand
der Batterie zunimmt. Wenn der Ladestrom auf einem zu hohen Wert verbleibt in
einem späteren Zeitpunkt des Ladezyklus, wird die übermässige Energie
in Wärme und in Zellendruck verwandelt. Schliesslich wird ein Leck entstehen,
um Sauerstoff und Wasserstoff austreten zu lassen. Die austretenden Gase beschädigen
nicht nur den Elektrolyt, sie sind auch stark brennbar! Eine weisse Substanz in
Pulverform sammelt sich um das Leck an, und zeigt an, wo die Gase ausgetreten
sind.
Eine Ultra-Schnellladung kann nur angewendet werden bei Batterien,
die für Schnellladung konzipiert sind. Die Anwendung von hohen Ladeströmen
auf Normalbatteriezellen wird zur Erhitzung des Strompfades führen. Die Kontakte
von tragbaren Batterien leiden ebenfalls, wenn der Stromfluss über den Federkontakt
zu klein ist. Solche Kontakte müssen frühzeitig ausgewechselt werden.
Es erscheinen öfters an der Spitze des Kontaktes kleine, kaum sichtbare Krater,
die einen hohen Übergangswiderstand erzeugen oder gar als Isolator wirken.
Die durch einen schlechten Kontakt entstehende Hitze kann sogar den Kunststoff
des Adapters zum schmelzen bringen. Höhere Spannung an den Kontakten verbessern
den Stromfluss.
Alternde Batterien mit erhöhtem Innenwiderstand und
unterschiedlichen Zellen eignen sich nicht für Ultra-Schnellladung, auch
wenn sie dafür konzipiert sind. Tiefe Zellenleitfähigkeit führt
zu Hitzeentwicklung, welche schliesslich die Zellen beschädigt. Die schwächeren
Zellen die die Kapazität schlechter halten können, sind früher
vollgeladen als die guten Zellen und beginnen, sich schnell aufzuheizen. Einige
Batterien erzeugen soviel Wärme, dass das Plastikgehäuse sich erwärmt
und sich verformen kann. Eine Temperaturüberwachung ist unabdingbar bei schnellen
und ultraschnellen Ladevorgängen.
Verschiedenen Hersteller bieten
Impulsladegeräte an. Durch das Einfügen von kurzen Entladeimpulsen zwischen
je zwei Ladeimpulsen kann das Ladeverhalten verbessert werden. Diese Methode fördert
das Abbauen von Sauerstoff- und Wasserstoffgasen, wodurch der Zellendruck vermindert
wird, was zu einer tieferen Zellentemperatur führt. Impulsladegeräte
sind auch dafür bekannt, dass die Kristallentwicklung bei auf Nickel basierenden
Batterien vermindert wird (Memory-Effekt). Die meisten Cadex-Ladegeräte für
auf Nickel basierende Batterien enthalten diese Eigenschaft.
Einige fortschrittliche
Ladegeräte regulieren automatisch den Ladestrom in Abhängigkeit der
Möglichkeit der Batterie, weitere Ladung aufzunehmen. Eine leere Batterie
wird so zu Beginn einen sehr hohen Ladestrom aufnehmen. Gegen Ende des Ladevorganges
wird der Ladestrom zunehmend verkleinert. Bei älteren Batterien wird so den
Möglichkeiten Rechnung getragen und die Aufladung erfolgt automatisch entsprechend
den Batterieeigenschaften.
Über
den Autor Isidor Buchmann ist der Gründer und Geschäftsführer
von Cadex Electronics Inc., in Vancouver BC. Herr Buchmann hat fundierte Basiskenntnisse
in der drahtlosen Kommunikation und studierte über zwei Jahrzehnte hinweg
das praktische Verhalten von wiederaufladbaren Batterien und ihre täglichen
Verwendungen. Als Autor gewann er Auszeichnungen für viele Artikel und Bücher
über Batterien. Herr Buchmann's technische Ausführungen gingen rund
um die Welt. Cadex Electronics ist Hersteller von fortschrittlichen Batterieladegeräten,
Batterieanalysern und PC-Software. Für Produktinformationen besuchen Sie
bitte www.cadex.com.
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