| |
Werden wiederaufladbare Batterien die nicht aufladbaren ersetzen?
Vom Konsumgutmarkt abgesehen, ist das Militär der grösste Anwender
von nicht aufladbaren (primären) Batterien, speziell in Notfallsituationen
oder bei der Bekämpfung von Waldbränden. Hohe Energiedichte, lange Lagerungsmöglichkeiten
und Einsatzbereitschaft gehören zu den wichtigsten Eigenschaften. Weder Aufladung
noch Formatierung sind notwendig vor einem Einsatz. Die Logistik ist einfach und
die Batterieleistung ist vorhanden auch an entfernten, unbemannten Standorten,
auch wenn keine Netzversorgung besteht. Die Entsorgung ist einfach, da die meisten
nicht aufladbaren Zellen nur wenig giftiges Material enthalten.
Nicht aufladbare Batterien
verfügen über die höchste Energiedichte. Auch wenn die Leistungen
von aufladbaren (sekundären) Batterien zunehmen, haben die gewöhnlichen
Haushalt- (Alkaline-)Batterien 50% mehr Leistung als Lithium-Ion-Batterien. Eine
nicht aufladbare Lithium Batterie, die in Fotoapparaten verwendet wird, hat fast
die doppelte Energie als eine Lithium-Ion-Batterie derselben Grösse. Figur
1 zeigt die gravimetrische Energiedichte von Blei-Säure, Nickel-Metallhydrid,
Lithium-Ion, Alkaline und Lithium Batterien.
| |
| Figur
1: Energie-Vergleiche von aufladbaren und nicht aufladbaren Batterien. |
Der Nachteil
von nicht aufladbaren Batterien ist der verhältnismässig hohe Innenwiederstand,
der den Stromfluss hemmt. Der hohe Innenwiederstand hat jedoch keinen Einfluss,
wenn Geräte mit kleinem Stromverbrauch gespeist werden, wie z.B. TV-Fernsteuerungen
oder Küchenwecker. Das Problem wird grösser, wenn Digitalkameras oder
andere Geräte mit hohem Stromkonsum gespeist werden sollen. Das Betreiben
einer Bohrmaschine mit Alkaline-Zellen ist undenkbar. Die Spannung würde
zusammen-brechen.
Der Vergleich der Energiedichten ist in einer unfairen
Art gemacht worden. Während die meisten aufladbaren Batterien mit 1C entladen
wurden, wurde die Alkaline-Batterie mit nur 25mA bis auf 0,8V entladen. Wir nehmen
nun dieselbe Batterie, und verwenden sie unter Belastung. Der gelbe Balken in
Figur 2 zeigt die verwendbare Energie, wenn die Batterie z.B. in einer Digitalkamera
verwendet wird.
| Figur
2: Energie-Vergleiche unter Belastung Die Alkaline-Batterie arbeitet gut
in einem Küchenwecker, aber versagt in einer Digitalkamera. |
Die am besten sichtbare Einschränkung einer nicht aufladbaren Batterie ist
die Anwendungsdauer. Deshalb sind die Kosten für die abgegebene Leistung
etwa 30 mal höher als bei einer aufladbaren Batterie. Diese Kosten werden
noch höher, wenn die Batterien nach jedem Einsatz ersetzt werden, unbeachtet
der Dauer des Einsatzes. Ein General der US Army sagte, dass die Hälfte der
entsorgten Batterien noch immer 50% der Energie gehabt hätte. Das Wegwerfen
von nur teilweise entladenen Batterien ist unsinnig. Aber das Überwachen
von diesen Batterien im militärischen und privaten Sektor ist zeitraubend
und heikel. Es ist viel einfacher, vor jedem Einsatz neue Batterien einzusetzen.
Es ist möglich, den Ladezustand von nicht aufladbaren Batterien zu messen.
Die einfachste Methode ist, die Klemmenspannung zu messen, aber das Resultat ist
unzuverlässig. Eine bessere Methode ist, die abgegebenen Energieeinheiten
zu zählen, auch bezeichnet als Coulomb (Ampersekunden). Diese bedingt eine
Schaltung und eine Anzeigemöglichkeit auf der Batterie. Auf Grund der hohen
Kosten und einer impliziten Unzuverlässigkeit, speziell bei Impulsbelastung,
wird diese Methode selten an nicht aufladbaren Batterien angewendet. Eine zuverlässigere
Ladezustandsmessung ist möglich mit einem Schnelltestinstrument, das die
chemische Zusammensetzung der Batterie untersucht. Dieser Test ist sanft und benötigt
nur wenige Sekunden. Der Schritt zur aufladbaren Batterie
Im
Verlauf der letzten zehn Jahre haben Armee- und Hilfsorganisationen graduell den
Schritt zu wieder aufladbaren Batterien getan. Eine namhafte Verbesserung in der
Batterietechnologie, bessere Lademethoden und leichter zugängliche Leistungsquellen
machten es möglich. Der wichtigste Grund dazu war jedoch der Preis.
In
der US Army werden wieder aufladbare Batterien vorwiegend für Trainings verwendet.
Die Verantwortlichen prüfen nun ihre Einsatzmöglichkeiten für Kampfeinsätze.
Wieder aufladbare Batterien haben noch andere Vorteile als nur die Kosten. Zum
einen können die Batterien wieder verwendet werden und belasten die Wiederbeschaffungskanäle
nicht. Bei Absenz von elektrischem Strom können sie auch mit Sonnenenergie,
Windgeneratoren oder Handkurbelgeneratoren aufgeladen werden. Sogar die kinetische
Energie wird untersucht, wobei ein elektrischer Generator in der Schuhsohle des
Soldaten eingebaut wäre. Aufladbare Batterien können Leistung abgeben,
auch wenn keine Lieferung von neuen Batterien möglich ist. Ein anderer
Vorteil der aufladbaren Batterien ist ihr tiefer Innenwiederstand. Dies gestattet
einen grossen Strom bei Bedarf, eine Eigenschaft, die für digitale Geräte
und Instrumente entscheidend ist, da hohe Stromspitzen benötigt werden. Elektrische
Werkzeuge z.B. können mit Alkaline-Batterien nicht betrieben werden.
Aber auch aufladbare Batterien haben ihre Grenzen. Ausser der geringen Energiedichte,
haben aufladbare Batterien eine nur beschränkte Lagerfähigkeit und können
mit der Alterung die Ladung nicht mehr halten. Ähnlich wie eine Feder unter
Spannung, versucht die aufladbare Batterie zu ihrem tiefsten Nenner zurückzukehren.
Die Alterung ist abhängig von Temperatur und Ladezustand. Während
eine nicht aufladbare Batterie eine Lagerfähigkeit von zehn Jahren hat, sind
Batterien auf Lithiumbasis nur für zwei bis drei Jahre gut, ob sie benutzt
werden oder nicht. Kühle Lagerung bei 40% Ladezustand verlängert die
Lebenserwartung. Batterien auf Nickelbasis sind für fünf Jahre gut,
benötigen aber eine Formatierung nach längerer Lagerung, um die Leistungsfähigkeit
zurück zu gewinnen. Ein anderer Nachteil von aufladbaren Batterien
ist die hohe Selbstentladung. Batterien auf Nickelbasis zeigen eine monatliche
Selbstentladung von 10 bis 20%. Dies kann verglichen werden mit 5 bis 10% für
Batterien auf Lithium- und Bleibasis. Die Selbstentladung nimmt mit höheren
Temperaturen zu. Aus diesem Grund sind aufladbare Batterien nicht besonders geeignet
für eine Energiespeicherung über längere Zeit; nicht aufladbare
Batterien eignen sich besser dafür. Eine aufladbare Batterie kann nie allzu
weit vom Ladegerät eingesetzt werden. Sie muss vor jedem Einsatz "gefüttert"
werden. Aufladbare Batterien verfügen über eine nur begrenzte
Anzahl Zyklen. Die Anzahl die erreichbaren Zyklen basiert auf der Entladungstiefe,
der Umgebungsbedingungen, der Lademethode und der Wartungsprozeduren. Jede Batteriechemie
reagiert anders bezogen auf Alterung und Verschleiss.
Aufladbare Batterien
benötigen ein gewisses Niveau an Wartung. Nickel-Kadmium-Batterien erbringen
nur dann die erwarteten Leistungen in ihrer Flotte, wenn sie regelmässig
entladen werden. Eine Tiefentladung kehrt das Kristallwachstum (Memory) um, das
bei Nickel-Kadmium-Batterien entsteht, wenn sie wiederholt von einer teilweisen
Ladung aus voll aufgeladen wird. Batterien auf Lithium- und Bleibasis haben keinen
Memory-Effekt und eine sporadische Endladung wird durchgeführt, um die Leistungsfähigkeit
zu überprüfen. Batteriewartungen werden am bestem mit einem Batterie-Analyser
durchgeführt.
Über
den Autor Isidor Buchmann ist der Gründer und Geschäftsführer
von Cadex Electronics Inc., in Vancouver BC. Herr Buchmann hat fundierte Basiskenntnisse
in der drahtlosen Kommunikation und studierte über zwei Jahrzehnte hinweg
das praktische Verhalten von wiederaufladbaren Batterien und ihre täglichen
Verwendungen. Als Autor gewann er Auszeichnungen für viele Artikel und Bücher
über Batterien. Herr Buchmann's technische Ausführungen gingen rund
um die Welt. Cadex Electronics ist Hersteller von fortschrittlichen Batterieladegeräten,
Batterieanalysern und PC-Software. Für Produktinformationen besuchen Sie
bitte www.cadex.com.
Click here
for a printer-friendly version
©
Copyright 2003 - 2005 Isidor Buchmann
| |