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Ist die Blei-Säure-Batterie in unserer modernen
Zeit noch konkurrenzfähig?
Die Antwort ist JA. Die Blei-Säure-Batterie
ist die älteste wiederaufladbare Batterie, die existiert. Sie hat noch heute
einen Marktanteil behalten, wo neuere Batteriechemien entweder zu teuer sind in
der Herstellung oder wo der Unterhalt zu viel Aufwand benötigt. Es handelt
sich vorwiegend um Applikationen, wo keine kostengünstigen Alternativen möglich
sind, wie z.B. Rollstühle, Motorroller, Golf-Wagen, Personentransporter und
Notstromsysteme.
Erfunden durch den französischen Physiker Gaston
Planté 1859 ist die Blei-Säure-Batterie die erste wiederaufladbare
Batterie für kommerzielle Anwendungen. Die flüssige Blei-Säure-Batterie
hat noch heute eine dominierende Rolle in der Automobilindustrie, in Gabelstaplern
und grösseren Notstromsystemen (UPS).
In der Mitte der 70er Jahre
wurde eine wartungsfreie Blei-Säure-Batterie entwickelt, die in jeder Lage
eingesetzt werden kann. Der flüssige Elektrolyt wurde ersetzt durch feuchte
Separatoren und das Gehäuse wurde verschweisst. Dazu wurden Sicherheitsventile
eingebaut um das bei Ladung und Entladung entstehende Gas austreten zu lassen.
Auf
Grund von verschiedenen Marktanforderungen entstanden zwei Blei-Säure-Batteriemodelle;
die kleine versiegelte Blei-Säure-Batterie (SLA), ebenfalls bekannt unter
dem Produktenamen 'Gelcell', und die grosse ventil-gesteuerte Blei-Säure-Batterie
(VRLA). Technisch gesehen, sind die beiden Batteriemodelle gleich (Ingenieure
werden argumentieren, dass die Bezeichnung 'versiegelte Blei-Säure-Batterie'
falsch sei, da keine wiederaufladbare Batterie total versiegelt sein kann).
Im
Unterschied zu flüssigen Blei-Säure-Batterien, sind beide Batterietypen
SLA und VRLA für ein nur kleines Überspannungspotential gebaut, um zu
verhindern, das während dem Ladevorgang zu viel Gas entstehen kann. Übermässige
Ladung führt zu Gasentwicklung und Feuchtigkeitsverlusten. Konsequenterweise
können solche Batterien nie auf ihr volles Potential aufgeladen werden.
Das
Festlegen der Grenze für die ideale Ladespannung ist kritisch. Jede Spannungsschwelle
ist an sich ein Kompromiss. Eine hohe Spannungsgrenze (über 2.40V/Zelle)
ergibt eine gute Batterieleistung, aber verkürzt die Lebenserwartung wegen
der auftretenden Korrosion auf der positiven Platte. Die Korrosion ist permanent.
Eine tiefere Spannung (unterhalb 2.40V/Zelle) ist sicher beim Laden bei höheren
Temperaturen, ist aber Gegenstand von Sulfatierung der negativen Platte.
Blei-Säure
haben keinen Memory-Effekt. Das Belassen einer Batterie in Schwebeladung während
längerer Zeit führt zu keinen Schäden. Die Selbstentladung beträgt
ca. 40% pro Jahr, eine der tiefsten bei wiederaufladbaren Batterien. Im Vergleich
dazu werden Nickel-Kadmium im gleichen Masse innerhalb 3 Monaten entladen. Blei-Säure-Batterien
sind vergleichsmässig günstig im Einkauf, aber die Funktionskosten können
höher sein als bei Nickel-Kadmium, wenn volle Zyklen mehrmals hintereinander
nötig werden. Blei-Säure-Batterien sind nicht geeignet für
Schnellladung. Eine typische Ladezeit ist 8 bis 16 Stunden. Die Batterie muss
immer in geladenem Zustand gelagert werden. Belässt man eine Batterie im
entladenen Zustand ergibt dies eine Sulfatierung, die zur Folge hat, dass die
Batterie nur schlecht bis gar nicht mehr geladen werden kann.
Im Gegensatz
zu Nickel-Kadmium-Batterien, erträgt eine Blei-Säure-Batterie keine
Tiefentladungen. Eine Vollentladung ergibt zusätzlichen Stress und jeder
Ladezyklus verringert ein wenig die Kapazität der Batterie. Ein solcher Verschleiss
tritt in unterschiedlicher Stärke auch bei anderen Batteriechemien auf. Um
zu verhindern, dass die Batterie durch wiederholte Tiefentladungen übermässig
gestresst wird, wird empfohlen, eine grössere Batterie einzusetzen.
In
Abhängigkeit von Tiefentladungen und Umgebungstemperatur während des
Einsatzes, beträgt die Lebenserwartung einer versiegelten Blei-Säure-Batterie
ca. 200 bis 300 Lade-/Entlade-Zyklen. Der hauptsächliche Grund für diese
relativ kurze Lebenserwartung liegt in der Gitterkorrosion der positiven Elektrode,
der Verringerung des aktiven Materials und der Ausdehnung der positiven Platten.
Diese Veränderungen sind in noch stärkerem Masse bei hohen Funktionstemperaturen
vorhanden. Wartungszyklen können diesen Trend weder aufhalten noch rückgängig
machen.
Die optimale Funktionstemperatur für Blei-Säure-Batterien
beträgt 25°C. Als Richtwert kann angegeben werden, dass eine Temperaturerhöhung
von 8°C die Batterielebenserwartung halbiert. Eine ventil-gesteuerte Blei-Säure-Batterie
(VRLA), welche bei 25°C 10 Jahre lang funktioniert, wird nur noch 5 Jahre
einsatzfähig sein, wenn sie bei 33°C betrieben wird. Theoretisch wird
dieselbe Batterie nur etwas mehr als 1 Jahr funktionieren, wenn sie bei eine (Wüsten)-Temperatur
von 42°C eingesetzt wird.
Unter allen modernen wiederaufladbaren Batterien
hat die Blei-Säure-Batterie die tiefste Energiedichte und ist deshalb ungeeignet
für den Einsatz in tragbaren Geräten, die eine kompakte Bauart bedingen.
Dazu kommt ausserdem, dass die Leistung bei tiefen Temperaturen schwach ist.
Die
Entladerate einer Blei-Säure-Batterie beträgt 0,2C oder 5 Stunden. Einige
Batterien werden für eine langsame 20 Stunden-Entladung eingestellt. Längere
Entladezeiten führen zu höheren Kapazitätswerten. Die Blei-Säure-Batterie
arbeitet gut bei starker Belastung. Während solchen kurzen Perioden können
Entladewerte von über 1C belastet werden. In Bezug auf die Entsorgung,
ist die Blei-Säure-Batterie weniger schädlich als Nickel-Kadmium, aber
der hohe Bleianteil und der Elektrolyt machen die Blei-Säure-Batterie Umwelt
unfreundlich.
Vorteile · Nicht teuer und einfach in der
Herstellung · Ausgereift, zuverlässig und bekannte Technologie
- wenn richtig verwendet, ist eine Blei-Säure-Batterie dauerhaft und verlässlich. ·
Die Selbstentladung ist bei den tiefsten unter den wiederaufladbaren Batteriesystemen. ·
Kleiner Bedarf an Unterhalt - kein Memory-Effekt, kein Nachfüllen von Elektrolyt
bei den versiegelten Versionen. · Hohe Entladeströme sind möglich.Grenzen ·
Tiefe Energiedichte - Schlechtes Gewicht-zu-Energieverhältnis beschränkt
den Einsatz auf ortsfeste oder fahrbare Applikationen. · Kann nicht
in entladenem Zustand gelagert werden - die Zellenspannung sollte nie unter 2,10V
fallen. · Gestattet nur eine beschränkte Anzahl Vollentladungen
- gut anwendbar für Notstromanlagen, welche nur sporadisch einer Vollentladung
ausgesetzt sind. · Bleianteil und Elektrolyt machen die Batterie Umwelt
unfreundlich. · Transportbeschränkungen bei flüssigen Blei-Säure-Batterien
- es bestehen Umweltschutzbedenken im Zusammenhang mit möglichem Verschütten.
Thermische Kettenreaktion kann entstehen bei unsachgemässem Laden.
Über
den Autor Isidor Buchmann ist der Gründer und Geschäftsführer
von Cadex Electronics Inc., in Vancouver BC. Herr Buchmann hat fundierte Basiskenntnisse
in der drahtlosen Kommunikation und studierte über zwei Jahrzehnte hinweg
das praktische Verhalten von wiederaufladbaren Batterien und ihre täglichen
Verwendungen. Als Autor gewann er Auszeichnungen für viele Artikel und Bücher
über Batterien. Herr Buchmann's technische Ausführungen gingen rund
um die Welt. Cadex Electronics ist Hersteller von fortschrittlichen Batterieladegeräten,
Batterieanalysern und PC-Software. Für Produktinformationen besuchen Sie
bitte www.cadex.com.
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